10 Tipps, wie man den richtigen Steuerberater findet
10 Tipps, wie man den richtigen Steuerberater findet

Der Steuerberater fungiert als Experte in allen steuerlichen Themen, sorgt für eine lückenlose Buchhaltung, ist für die Lohnverrechnung verantwortlich, erstellt den Jahresabschluss und ist vor allem zu Beginn ein wichtiger Sparring-Partner von Startups und Selbstständigen. Während ein guter Steuerberater dem Unternehmen durch Optimierungen viel Geld sparen kann, kann ein schlechter Steuerberater die Kosten schnell in die Höhe treiben. In diesem Artikel findet ihr 10 Tipps, wie ihr den besten Steuerberater für euer Unternehmen finden könnt und welche Voraussetzungen euer Steuerberater auf jeden Fall erfüllen sollte.

Tipp 1 – Vor der Gründung beraten lassen

Der wichtigste Tipp, den ich euch mitgeben möchte, ist, dass ihr euch so früh wie möglich vor der Gründung eines Unternehmens von den Experten beraten lassen solltet. Dadurch könnt ihr euch einige Kosten und Mühen ersparen und vermeidet Fehler am Anfang, die lange Nachwehen haben. Insbesondere trifft das auf die Wahl der richtigen Rechtsform zu – dabei kann euch ein Steuerberater weiterhelfen und gemeinsam könnt ihr die beste Rechtsform für euer Unternehmen finden und alle Eventualitäten (wie Exit, Nachfolge, etc.) bedenken und mit der Hilfe eines Rechtsanwalt oder Notars regeln.

Tipp 2 – Die Anforderungen definieren

Wer den besten Steuerberater für seine Firma sucht, der muss wissen, welche Anforderungen der Steuerberater erfüllen soll und welche Kenntnisse und Expertisen ihr für euer Unternehmen braucht. Ihr müsst euch überlegen, was euch mit der Zusammenarbeit mit dem Steuerberater wichtig ist. Legt ihr Wert auf regelmäßige Absprachen und Treffen oder wollt ihr bloß nichts von eurem Steuerberater hören? Was sind eure Fragen, die ihr beantwortet haben wollt? Soll der Steuerberater sich nur um die Steuerberatung kümmern oder soll er sich um die Personalverrechnung und die Buchhaltung kümmern oder benötigt ihr auch Unternehmensberatung oder eine spezielle Rechtsberatung? Diese Fragen sollten ihr in einem ersten Gespräch mit dem Steuerberater auf jeden Fall klären.

Tipp 3 – Die richtige Suche

Ihr solltet euch bereits im Vorfeld überlegen, wen ihr als potentiellen Steuerberater kennenlernen wollt. Sucht ihr nach einem Steuerberater in eurer Nähe, soll der Steuerberater eine international vertretene Kanzlei sein, soll euer Steuerberater sich auf gewissen Themen und Branchen spezialisieren oder reicht euch ein selbstständiger Bilanzbuchhalter ohne Mitarbeiter? Nur wenn ihr wisst, wonach ihr sucht, könnt ihr den richtigen Steuerberater finden. Der nächste Tipp hilft euch bestimmt dabei

Tipp 4 – Für Big 4, mittelständische Kanzlei oder kleinen Steuerberater entscheiden

Um von Beginn an den besten Steuerberater zu finden, müsst ihr euch entscheiden, mit welcher Kanzlei ihr zusammenarbeiten wollt. Die Größe der Kanzlei und die Anzahl der Mitarbeiter hat Auswirkungen auf den Preis, aber in den meisten Fällen auch auf die Qualität und den Service.

Big 4 Kanzleien

Was für eine der Big 4 – Kanzleien (EY, Deloitte, KPMG oder Pwc) spricht, ist die langjährige Erfahrung und die Internationalisierung der Kanzleien. Man findet in vermutlich jedem Land der Welt Tochterfirmen der Big-4 und sie bieten ein riesiges Leistungsspektrum an, das alle Anfragen abdeckt. Es gibt für jeden Themenbereich eine Vielzahl an Experten und stets jemanden, der einem weiterhelfen kann. All das hat natürlich seinen Preis. Die Big-4-Kanzleien sind in der Regel auch die teuersten und verlangen teils sehr hohe Stundensätze, die sich kleine Startups kaum leisten können oder nicht leisten wollen. Wer also den Preis für die Qualität in Kauf nimmt, dem rate ich, eine Big-4-Kanzlei zu beauftragen.

Die Big 4 im Überblick
© Big4Careeerlab

Mittelständische Kanzleien

Zu den mittelständischen Kanzleien würde ich alle Steuerberatungen zählen, die zwischen 30 und 300 Mitarbeitern haben. In Österreich (bzw. in Wien) sind BDO, TPA Horwath, LeitnerLeitner oder LBG bekannte Vertreter der mittelständischen Kanzleien. Sie stehen den oben vorgestellten Konkurrenten um beinahe nichts hinterher, aber haben deutlich weniger Mitarbeiter und weniger Zweigstellen. Hier kann es sein, dass es für Spezialthemen nicht die besten Experten gibt oder sich die Kanzleien auf eine gewisse Branche spezialisieren. Ihre Stundensätze und Pakete sind normalerweise etwas günstiger als bei Big-4-Beratungen. Ich würde allen Unternehmern/Selbständigen/Startups raten, sich für eine mittelständische Kanzlei zu entscheiden – sie liefern eine hohe Qualität der Leistungen und bieten sehr umfangreiche Leistungen an und das zu einem akzeptablen Preis.

Kleine Kanzleien

Kleine Kanzleien sind bei mir alle Kanzleien mit weniger als 30 Mitarbeitern, einzelne selbständige Steuerberater und selbstständige Bilanzbuchhalter. Diese Steuerberater verlangen im Vergleich die günstigsten Stundensätze und bieten im Grunde die gleichen Leistungen an. Allerdings werden kleine Kanzleien meist nur von einer Hand von Partnern getragen – das kann in einer Minderung der Qualität und der Services resultieren. Jedoch gibt es auch hiert natürlich Ausnahmen.

Wer die ganze steuerliche Verantwortung jedoch einer kleinen Kanzlei übergibt, muss damit rechnen, dass es eventuell keine Urlaubsvertretungen gibt – oder dass aufgrund eines fehlenden 4-Augen-Prinzips schneller Fehler passieren. Ich würde daher vor allem kleine, örtliche Lokale oder Einzelunternehmen diese Art von Steuerberater empfehlen – denn hier steht vor allem der persönliche Kontakt und das Vertrauen im Vordergrund. Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern oder Startups, die schnell wachsen, würde ich von kleinen Kanzleien tendenziell eher abraten.

Tipp 5 – Welche Leistungen sollte der Steuerberater anbieten

Wie schon mehrmals angesprochen, bieten fast alle Steuerberater dieselben Leistungen an. Das sind neben der klassischen Steuerberatung auch die Lohnverrechnung, die Buchhaltung, das Rechnungswesen und die Unternehmensberatung. Jeder Steuerberater, der nicht all diese Leistungen abwickeln kann, sollte eher vermieden werden. Es ist einfach nicht sehr ratsam, für die einzelne Leistungen unterschiedliche Kanzleien zu beauftragen. Denn dabei kommt es oft zu Fehlern in der Kommunikation untereinander und es erschwert die Arbeit von allen.

Tipp 6 – Branchenkenntnis, Network und Startup Know-how (v.a. für Startups)

Es kann für junge Unternehmen entscheidend sein, dass der Steuerberater ein umfassendes Branchenwissen besitzt und sich auf ein Themengebiet spezialisiert hat. Der Steuerberater hat hier normalerweise ein breitgefächertes Netzwerk an Kontakten und kann vor allem Startups dadurch weiterhelfen. Da Startups kaum mit klassischen Unternehmen zu vergleichen sind, sollte der Steuerberatung zumindest schon mal ein Startup betreut haben und wissen, worauf es bei schnellwachsenden Organisationen ankommt und was zu beachten ist.

Tipp 7 – Ein kostenloses Erstgespräch vereinbaren

Nachdem ihr eure Auswahl eingegrenzt habt, solltet ihr mit mindestens 3 Steuerberatern eurer Wahl ein Erstgespräch führen. Das Erstgespräch dient dazu, das Gegenüber kennenzulernen, alle anfänglichen Fragen zu klären und legt die Basis für die künftige Zusammenarbeit. Ein erstes Gespräch ist immer kostenlos (alles andere ist unseriös) und gibt einen guten ersten Eindruck über die Kanzlei und den künftigen steuerlichen Berater. In der Regel wird ein paar Tage nach dem Erstgespräch ein entsprechendes Auftragsangebot übermittelt, welches alle Stundensätze und Preise beinhaltet.

Tipp 8 – Angebote vergleichen

Sobald ihr mehrere Angebote habt, müsst ihr diese Angebote natürlich vergleichen. Dabei solltet ihr nicht nur ein Augenmerk auf die Zahlen haben, sondern auch den persönlichen Eindruck, die Sympathie und soft skills in die Entscheidung miteinbeziehen. Oft liefert jedoch das Bauchgefühl schon eine gute Grundlage für die Entscheidung.

Tipp 9 – Referenzen einholen (optional)

Bevor ihr ein Angebot unterschreibt, könnt ihr noch ein paar Referenzen von anderen Klienten einholen und deren Erfahrungen erfragen. Die meisten Steuerberater führen ihre Referenzen auf der Homepage an und man erhält schnell telefonisch Auskunft und kann sich dadurch ein Bild aus der Kundenperspektive machen.

Tipp 10 – Die richtige Entscheidung treffen

Nachdem ihr all diese Tipps befolgt habt, sollte euch klar sein, mit welchem Steuerberater ihr zusammenarbeiten wollt. Plant für den ganzen Prozess zumindest zwei Wochen ein, um den besten Steuerberater für euer Unternehmen zu finden und hört vor allem auf euer Bauchgefühl. Der günstigste Anbieter ist nicht immer der schlechteste und der teuerste ist nicht immer der beste.

Ich hoffe, diese 10 Tipps haben etwas Klarheit zu diesem Thema gebracht und können euch helfen, den richtigen Steuerberater zu finden. Nichtsdestotrotz dienen die Tipps nur als Anhaltspunkte und müssen keinesfalls alle befolgt werden. Solltet ihr noch Punkte ergänzen wollen oder eure Erfahrungen mitteilen, schreibt es in die Kommentare oder schreibt mir eine persönliche Nachricht über das Kontaktformular.

Als weitere Entscheidungshilfe könnt ihr euch die besten Steuerberater 2019 ansehen.

Stefan Zangerle
Passionierter Serial-Entrepreneur. CEO & Co-Founder von Flaterio. Managing Director & Founder von zanmedia und zangerle development.

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