Eine Geschäftsidee validieren
Eine Geschäftsidee validieren

In der neuen Artikelreihe „Anleitung zum Gründen“ erfahrt ihr Schritt-für-Schritt wie ihr ein Unternehmen gründet, was es alles zu beachten gibt und wie ihr Fehler am Start der Unternehmerkarriere vermeiden könnt.

weitere Artikel der Reihe:
Schritt 1 – Eine Geschäftsidee finden
Schritt 2 – Das Gründungsteam

Schritt 3 – Eine Geschäftsidee validieren (aktuell)
Schritt 4 – Das Geschäftsmodell

Wie kann man eine Geschäftsidee validieren? Viele Gründer denken, man bräuchte ein fertiges oder halbfertiges Produkt, um die Geschäftsidee erstmalig validieren zu können. Aber dieser Gedanke ist nicht richtig. In diesem Artikel erfahrt ihr, wie ihr schnell und mit wenig Aufwand eure Geschäftsidee validieren könnt.

Idee nicht verheimlichen

Immer wieder lernt man Gründer kennen, die bloß nicht zu viele Details ihrer Geschäftsidee verraten wollen und am liebsten mit allen und jeden ein NDA (non-disclosure agreement = Geheimhaltungsvereinbarung ) unterzeichnen wollen. Zu groß ist die Angst davor, dass die Idee gestohlen wird und dass die Konkurrenz die Idee selbst umsetzt. Das ist auch zum größten Teil verständlich. Man investiert viel Zeit in die Findung und Entwicklung der eigenen Geschäftsidee und ist fest davon überzeugt, damit den Markt umkrempeln zu können. Warum würde man also riskieren wollen, dass jemand anderer diese Geschäftsidee aufschnappt?

Die Antwort auf diese Frage ist ganz einfach: eine Idee allein ist nichts wert! Es kommt immer auf die Umsetzung der Idee an – also dem Team, der Vision und dem Geschäftsmodell. Außerdem ist man mit Sicherheit nicht der erste und einzige, der diese Idee hatte. Meine BWL-Lehrerin pflegte dazu gerne zu sagen: „Es gibt nichts, das nicht schon jemand anderer erfunden hat.“ Und sie hat in 99,9% der Fälle recht damit.

Mit Leuten reden

Man sollte sich also nicht zu viele Sorgen machen und schon von Beginn an mit so vielen Leuten wie möglich über die Geschäftsidee sprechen. Dabei wird man zwar immer wieder Sätze wie „Das gibt es doch schon!“ oder „Das wird nichts!“ zu hören bekommen, aber davon sollte man sich nicht abbringen lassen. Man sammelt dabei dennoch viel wertvolles Feedback von Außenstehenden und kann dieses direkt in die Entwicklung der Idee einfließen lassen. Aber nicht nur das – man lernt, die Idee auch besser zu verkaufen. Nachdem du zum 30. Mal deinen Elevator Pitch (kurze 30 Sekunden Vorstellung deiner Idee) aufgesagt hast, weißt du schon genau, worauf du wert legen musst und hast schon Antworten auf die häufigsten Fragen.

Außerdem kommen durch das Reden die Leute zusammen. Es kann also durchaus sein, dass man dadurch einen Mitgründer findet oder Kontakte zu ersten Kunden hergestellt werden können.

Geschäftsidee validieren

Über die Geschäftsidee reden bringt zwar viel Feedback, aber eine Geschäftsidee zu validieren bedeutet noch etwas mehr als das. Um eine Idee zu validieren, muss man Leute finden, die sofort bereit wären, etwas für deine Lösung zu bezahlen. Oder anders gesagt: du musst die Hypothese, die du aufgestellt hast, überprüfen.

Hypothese

Eine Hypothese ist zum Beispiel: „Die Zielgruppe Handwerker ist bereit, monatlich 9 EUR für eine App zu zahlen, mit der sie einfacher Kunden gewinnen können.“ Aber wie funktioniert das Überprüfen der Hypothese bzw. das Validieren der Geschäftsidee überhaupt – vor allem wenn man ganz am Anfang steht?

Prototyping

Ein einfacher Prototyp der Idee reicht normalerweise aus, um deine Idee im ersten Schritt validieren zu können. Ein Prototyp ist eine minimalste Version deines Produkts, etwas was du selbst mit wenig Aufwand erstellen kannst. Zum Beispiel für eine App könnte der erste Prototyp eine Skizze oder eine animierte Powerpoint-Version sein. Für ein technisches Produkt reicht im ersten Schritt vielleicht auch einfach ein Prototyp aus Karton – man sollte hier wirklich nicht zu kompliziert denken.

Geht man mit einem Prototyp dieser Art zu einem potentiellen Kunden, kann er sich die Idee besser vorstellen und einschätzen, ob er etwas Ähnliches zu Preis X kaufen würde. Das erfordert nur wenig Aufwand und man hat sofort eine gewisse Validierung der Idee.

Fake Door

Wer es noch etwas genauer wissen will, der kann auch einen „Fake-Door-Prototyp“ entwickeln. Was heißt das?

Beispiel – Fake-Door-Prototyp

Stell dir vor, du bist auf einer Einkaufsstraße und stehst vor der Auslage eines Shops. Über dem Shop verziert ein stylisches Logo die Fassade und in der Auslage befinden sich ein paar Produkte mit den dazugehörigen Preisen. Ein Produkt spricht dich besonders an also möchtest du in den Shop gehen und das Produkt kaufen. Als du die Tür zum Geschäft öffnest, stehst du plötzlich vor einer zugemauerten Wand. Du hast also soeben einen Fake-Door-Prototyp eines Shops gefunden.

Um einen Fake-Door-Prototyp zu entwickeln, muss man natürlich nicht wortwörtlich eine falsche Tür bauen. Es geht darum, eine ansprechende Fassade bzw. eine schöne Front zu haben, die potentielle Kunden davon überzeugt, dass es das Produkt schon gibt und sie es kaufen können.

Ganz einfach geht das im Internet mit einer eigenen Website. Mittlerweile braucht man nicht mehr programmieren zu können, um eine ansprechende Website zu gestalten. Dank Anbietern wie WordPress, Wix und Jimdo können sogar Laien in wenigen Stunden eine moderne und überzeugende Website erstellen.

Mit einem dieser Anbieter erstellt man ein Angebot für ein Produkt/eine Software/eine Dienstleistung und bietet eine Möglichkeit, dieses Produkt zu kaufen. Sobald ein Besucher der Website auf „kaufen“ klickt – gesteht man ihm, dass es das Produkt noch gar nicht gibt. Im nächsten Schritt bietet man ihm an, sich in den Newsletter einzutragen und als erstes informiert zu werden, sobald das Produkt zum Verkauf steht.

Dieses Vorgehen hat gleich 2 Vorteile. Einerseits hat man eine „echte“ Validierung der Geschäftsidee – denn Besucher waren wirklich bereit, für etwas zu bezahlen und dank Google Analytics kann man die Anzahl der Käufer sogar belegbar messen.  Anderseits sammelt man mit der Zeit auch die Kontaktdaten von interessierten Personen, die nach dem „echten“ Launch einfach zu ersten zahlenden Kunden gemacht werden können.

Fallbeispiel

Um das ganze nochmal zu verdeutlichen, folgt ein Fallbeispiel von meinem Unternehmen Flaterio, wo wir derzeit einen Fake-Door-Prototyp in Betrieb haben.

Fallbeispiel Fake-Door-Prototyp: Flaterio

Fake-Door-Flaterio-1

Die User sehen auf unserer Landing Page eine Erklärung des Produkts sowie den Preis. Interessierte Benutzer glauben mit Klick auf „Starten Sie jetzt“ das Produkt ausführen zu können.

Fake Door - Flaterio 2

Nach dem auf „Starten Sie jetzt“ geklickt wurde, gestehen wir, dass unser Produkt noch in der Entwicklung ist und bieten eine Möglichkeit zur Eintragung in den Newsletter, um informiert zu bleiben.

In Google Analytics haben wir ein Zielvorhaben definiert (Klick auf „Starten Sie jetzt“) und können dann automatisiert auswerten, wie viele User täglich dieses Zielvorhaben erfüllt haben.

Google Analytics Zielvorhaben

Als beliebte Alternative zum Fake-Door-Prototypen gibt es auch noch das „Wizard of Oz-Prototyping“. Dabei glaubt der User er interagiert mit einem System bzw. einer Maschine, wobei im Verborgenen ein Mensch die Aktionen durchführt. Einfaches Beispiel dafür:

Beispiel – Wizard of Oz – Prototyping

Ein Startup, will einen innovativen Chatbot entwickeln. Anstatt monatelang den Chatbot mit AI & Machine Learning zu trainieren, wird den Usern ein erster Prototyp des Chatbots vorgestellt. Tatsächlich antwortet aber keine AI, sondern ein Mensch.

Zusätzlich zu den vorgestellten Methoden gibt es noch viele andere Möglichkeiten und vor allem speziell entwickelte Tools, wie man ohne großen Aufwand erste Prototypen einer Geschäftsidee erstellt. In einem zukünftigen Beitrag werde ich diese Tools nochmal extra vorstellen.

Fazit

Eine Geschäftsidee und deren zugrunde liegende Hypothese kann einfach, schnell und in den meisten Fällen sogar kostenlos überprüft werden. Man sollte keine Angst davor haben, mit einer Idee so früh wie möglich auf den Markt zu gehen und sie zu überprüfen. Das Feedback, das durch den Einsatz von Prototypen gesammelt wird, kann direkt in die Produktentwicklung einfließen und sorgt dafür, dass man nicht am Markt vorbei entwickelt.

Jetzt den nächsten Artikel Schritt 4 – Das Geschäftsmodell lesen!

Stefan Zangerle
Passionierter Serial-Entrepreneur. CEO & Co-Founder von Flaterio. Managing Director & Founder von zanmedia und zangerle development.

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