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Gründen in Österreich – Was ist die beste Rechtsform für Neugründungen?

Gründen in Österreich will gut überlegt sein. Die Wahl der richtigen Rechtsform bringt viele Implikationen mit sich und bestimmt die Rechte und Pflichten des Gründers. Während bei Startups in Österreich die beliebteste Rechtsform die GmbH ist, ist das Einzelunternehmen die häufigste Wahl bei allen anderen Unternehmern. Warum das so ist und was die beste Rechtsform für Neugründungen ist, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Rechtsformen Übersicht

In Österreich gibt es mehrere Rechtsformen. Sie lassen sich in Personen- und Kapitalgesellschaften trennen und unterscheiden sich vor allem in der Haftung, aber auch in den steuerlichen Belastungen und den anfallenden bzw. laufenden Kosten. Zuerst mal ein kurzer Überblick über alle Rechtsformen, die aus meiner Sicht für angehende Unternehmer Sinn machen:

Personengesellschaften

  • Einzelunternehmen (e.U)
  • Offene Gesellschaft (OG)
  • Kommanditgesellschaft (KG)

Kapitalgesellschaften

  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Wovon die Wahl abhängt:

Die Wahl der Rechtsform hängt von verschiedenen Faktoren ab und bleibt stets dem Gründer überlassen. Man sollte sich im Vorfeld jedoch überlegen, ob das Unternehmen allein oder mit weiteren Personen gegründet werden soll. Darüber hinaus ist festzulegen, wie die Haftung geregelt sein soll: bei den Kapitalgesellschaften haften Gründer nämlich nur mit ihrer Einlage, wohingegen bei Personengesellschaftern die Haftung das gesamte Privatvermögen des Gründers umfasst.

Vergleich der Rechtsformen

Einzelunternehmen

  • Anzahl Personen: 1
  • Haftung: voll und unbeschränkt (mit dem Privatvermögen)
  • Gründungskosten: ca. 100 €
  • Gewinnbesteuerung: EKSt – Einkommensteuererklärung
  • Firmenbuch: kann eingetragen werden (e.U) muss aber nicht gemacht werden
  • Buchhaltungspflicht: erst nach hintereinander folgender Überschreitung der Umsatzgrenze von 700.000 Euro oder einmaliger Überschreitung von 1.000.000 Euro im Jahr
  • Mindestkapital: frei wählbar

Das Einzelunternehmen ist die beliebteste Rechtsform der heimischen Unternehmer. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Es ist kostengünstig, schnell und relativ einfach zu gründen – mittlerweile ist das sogar schon online möglich. Dafür muss kein Mindestkapital in das Unternehmen eingezahlt werden, der Einzelunternehmer kann Entscheidungen alleine treffen und es entstehen keine Compliance-Kosten, da kein Jahresabschluss erstellt werden muss.

OG

  • Anzahl Personen: mehrere (min.2)
  • Haftung: voll und unbeschränkt (mit dem Privatvermögen)
  • Gründungskosten: ca. 300 €
  • Gewinnbesteuerung: EKSt – Einkommensteuererklärung
  • Firmenbuch: ja
  • Buchhaltungspflicht: erst nach hintereinander folgender Überschreitung der Umsatzgrenze von 700.000 Euro oder einmaliger Überschreitung von 1.000.000 Euro im Jahr
  • Mindestkapital: frei wählbar

Die OG unterscheidet sich auf dem ersten Blick gar nicht so stark vom Einzelunternehmen. Auch diese Rechtsform ist schnell und kostengünstig gegründet und es muss kein Mindestkapital eingezahlt werden. Jedoch muss sie ins Firmenbuch eingetragen werden und die Gesellschafter der OG sollten einen Gesellschaftsvertrag aufsetzen, der die Eigentumsverhältnisse regelt.

KG

  • Anzahl Personen: mehrere (min 2)
  • Haftung: Komplementär: voll und unbeschränkt (mit dem Privatvermögen); Kommanditist: auf Einlage beschränkt
  • Gründungskosten: ca. 300 €
  • Gewinnbesteuerung: EKSt – Einkommensteuererklärung
  • Firmenbuch: ja
  • Buchhaltungspflicht: erst nach hintereinander folgender Überschreitung der Umsatzgrenze von 700.000 Euro oder einmaliger Überschreitung von 1.000.000 Euro im Jahr
  • Mindestkapital: frei wählbar
  • Sonstiges: Kommanditist darf nicht Geschäftsführer sein

Die KG ist eine interessante Rechtsform. Es gibt hier eine Person, die voll und unbeschränkt haftet (Komplementär) und mindestens eine Person, die nur mit dem eingebrachten Kapital haftet (Kommanditist). Die KG eignet sich besonders für Unternehmen, bei denen der Kommanditist nicht im Unternehmen mitarbeitet und eher als Kapitalgeber fungiert. Der Vollhafter muss bei der KG aber nicht unbedingt eine natürliche Person sein. Dadurch entsteht die Möglichkeit der GmbH & Co KG – bei der die GmbH als Gesellschaft voll und unbeschränkt haftet. Das bringt aus Sicht der Haftung einige Vorteile – bringt aber auch erhöhte Gründungskosten mit sich.

GmbH

  • Anzahl Personen: einzeln oder mehrere
  • Haftung: auf Einlage beschränkt
  • Gründungskosten: zwischen 100 € (Ein-Mann-Gmbh) und ca. 2.500 € (mehrere Gesellschafter)
  • Gewinnbesteuerung: KÖSt & KESt
  • Firmenbuch: ja
  • Buchhaltungspflicht: ja
  • Mindestkapital: 35.000 € (davon die Hälfte in bar); bei gründungsprivilegierter GmbH: 10.000 € (davon die Hälfte in bar)

Die GmbH ist die beliebteste Rechtsform der österreichischen Startups. Das liegt vor allem daran, dass die Haftung auf die Einlage beschränkt ist und somit das Risiko für die Gründer geringer ist. Außerdem ist die GmbH als Kapitalgesellschaft für die Aufnahme weiterer Gesellschafter (wie Investoren oder Kapitalgeber) hervorragend geeignet. Der Gewinn, sofern er in der Gesellschaft bleibt, wird bei einer GmbH mit 25% Körperschaftssteuer besteuert. Bei einer Gewinnausschüttung werden allerdings nochmal 27,5% Kapitalertragssteuer vom Finanzamt einbehalten. Unabhängig vom Umsatz gilt für die GmbH die Bilanzierungs- und Buchhaltungspflicht. Da die Buchhaltung in einer Steuerberatung geführt werden sollte und jedes Jahr ein Jahresabschluss erstellt werden muss, entstehen jährlich mehrere tausend Euro Compliance-Kosten. Natürlich kann man die Buchhaltung auch selber führen, dazu muss man aber das nötige Wissen verfügen und darf den zeitlichen Aufwand nicht unterschätzen.

Was ist die beste Rechtsform für Neugründer?

Darauf gibt es keine allgemeine Antwort. Allerdings denke ich, dass das Einzelunternehmen sich perfekt für alle eignet, die sich nebenbei selbstständig machen wollen, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen und die allein das Unternehmen gründen und leiten wollen. Die OG eignet sich besonders gut für kleinere Unternehmen, wo mehrere Partner involviert sind. Auch die KG ist eine interessante Rechtsform für Unternehmen, die beispielsweise einen Kapitalgeber haben, aber wo der Gründer selbst noch die volle Kontrolle über sein Unternehmen haben möchte. Und die GmbH? Sie ist die perfekte Rechtsform für alle Startups, alle Unternehmen, die schnelles Wachstum anstreben. Zwar ist mit höheren Gründungskosten und laufenden Compliance zu rechnen, aber durch die beschränkte Haftung entsteht für die Gründer ein geringeres Risiko und die Kapitalgesellschaft wird von Investoren bevorzugt.

Wollt ihr ein Unternehmen gründen? In unserer Anleitung zum Gründen erfahrt ihr Schritt-für-Schritt wie ihr ein Unternehmen gründet.

Stefan Zangerle
Er ist passionierter Serial-Entrepreneur & Digitalunternehmer. Als Managing Director & Founder von zanmedia hilft er Startups beim Skalieren. Er ist zudem CEO & Co-Founder des PropTechs Flaterio und Partner des Recruiting Startups REKUNO.

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