Das Gründungsteam (Co-Founder) finden
Das Gründungsteam (Co-Founder) finden

In der neuen Artikelreihe „Anleitung zum Gründen“ erfahrt ihr Schritt-für-Schritt wie ihr ein Unternehmen gründet, was es alles zu beachten gibt und wie ihr Fehler am Start der Unternehmerkarriere vermeiden könnt.

weitere Artikel der Reihe:
Schritt 1 – Eine Geschäftsidee finden
Schritt 2 – Das Gründungsteam (aktuell)
Schritt 3 – Eine Geschäftsidee validieren
Schritt 4 – Das Geschäftsmodell

Nachdem eine Geschäftsidee gefunden wurde, ist der nächste Schritt im Gründungsprozess eines Unternehmens die Entscheidung, ob man als Einzelunternehmer startet oder sich Co-Founder mit ins Gründungsteam holt. Was spricht für oder gegen eine Einzelgründung? Wie findet man Co-Founder für eine Startup-Idee? Welche Eigenschaften sollte im Gründungsteam abgedeckt sein? In diesem Artikel findet ihr Antworten auf diese Fragen.

Solo-Entrepreneur

Nachdem eine Geschäftsidee gefunden wurde, werden die meisten Unternehmer zunächst mal allein mit der Umsetzung der Idee starten. Während sich einige Unternehmer im nächsten Schritt auf die Suche nach Partnern begeben, bevorzugen die meisten Unternehmer jedoch eine Einzelgründung und den Weg als Solo-Entrepreneur.

Die Entscheidung dazu kann viele Gründe haben und bringt sowohl Vor- als auch Nachteile.

Vorteile

Als Solo-Entrepreneur kann man alle Entscheidungen selbst treffen, hat absolute Freiheit über sein Handeln und bestimmt selbst, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickeln sollen. Für die meisten Gründer ist das der Inbegriff der Selbstständigkeit und einer der Hauptbeweggründe, warum man sich überhaupt für die Selbstständigkeit entscheidet. Man ist niemanden außer sich selbst Rechenschaft schuldig und allein für den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens verantwortlich. Es gibt keine Diskussionen mit Mitgründern oder Shareholdern, man ist sehr flexibel und kann schnell reagieren.

Nachteile

Diese Unabhängigkeit und Freiheit haben allerdings einen Preis. Als Einzelgründer trägt man das gesamte Risiko und man muss sich um alle Bereiche des Unternehmens kümmern. Es ist ein breitgefächertes Skill-Set erforderlich und es gibt niemanden, der einem vor Fehlentscheidungen bewahren kann oder bei dem man einfach mal etwas Druck ablassen kann.

Für wen?

Eine Einzelgründung ist daher für alle Gründer geeignet, die ohnehin gerne unabhängig von anderen Entscheidungen treffen und die gut mit Druck umgehen können. Einzelgründer lieben die Freiheit, packen gerne selbst an und lassen sich so schnell nicht entmutigen.

Gründungsteam / Co-Founder

Gemeinsam ist es einfacher als allein. Das gilt nicht nur für die Gründung von Unternehmen sondern insbesondere für die Gründung von Startups. Aufgrund der hohen Komplexität von Startups, dem Arbeitspensum und der erforderlichen Kenntnisse werden Startups nur sehr selten allein gegründet. 

Wer im Team gründen möchte muss aber überlegen, wie man Co-Founder findet, was ein guter Mitgründer braucht, nach wie vielen Partnern man Ausschau halten sollte und wie die Anteile verteilt werden sollen. Immerhin möchte man als Unternehmer ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen, dabei aber auch noch möglichst hoch am Gewinn beteiligt sein.

Wie viele Founder?

Eine der heißdiskutiertesten Fragen in diesem Zusammenhang ist die Größe des Gründungsteam. Eine Auswertung der bekanntesten und erfolgreichsten Startups hat ergeben, dass 2.09 die ideale Anzahl der Gründer ist. Viele Experten und Investoren sind aber auch der Meinung, dass ein Unternehmen idealerweise von 3 Personen gegründet werden sollte. Einig ist man sich jedoch in der Tatsache, dass es nicht mehr als 4 Gründer geben sollte.

Warum?
Bei 2 Personen besteht in der Regel ein gutes Vertrauen zwischen den Gründern und die Aufgabenbereiche sind klar abgegrenzt. Im besten Fall besteht ein 2er Gründerteam aus einem Techniker, der das Produkt entwickelt und aus einer Person mit Business/Sales Background, die für die wirtschaftliche Verwertbarkeit sorgt.  

Bei einem 3er-Team gibt es noch mehr Diversifikation und ein breites Aufgabenspektrum, das das Gründungsteam abdecken kann und es kann auch mehr erledigt werden.

Ab 4 Personen im Gründungsteam wird es aber langsam kompliziert – es entstehen erste Machtspielchen und die Effizienz sinkt, weil jeder mitreden möchte und man unter Umständen das „Big Picture“ aus den Augen verliert.

Welche Fähigkeiten sollten die Co-Founder mitbringen?

Das hängt natürlich stark von den eigenen Stärken und Schwächen, dem Background und von der Geschäftsidee ab. Sinnvoll ist es natürlich, die wichtigsten Bereiche des zu gründenden Unternehmens mit Co-Foundern zu besetzen. In der Regel sind das Geschäftsführung & Finanzen, die technische Entwicklung und Marketing/Vertrieb. Es sollte also auf jeden Fall jemanden geben, der die Geschäftsführung übernehmen kann, die Finanzen im Blick hat und im Kontakt mit den Stakeholdern steht. Zudem braucht es bei den meisten Unternehmen einen Techniker, der das Produkt / die Dienstleistung entwickeln kann und Ahnung von dem Geschäftszweig des Unternehmens hat. Und zu guter letzt wäre es ideal, wenn ein Gründer Erfahrung im Bereich Marketing & Sales mitbringen kann, um auch relevante Umsätze erzielen zu können.

In vielen Unternehmen werden aber auch mehrere Bereiche von einer Person besetzt. Das heißt es gibt zum Beispiel Geschäftsführer, die auch Marketing oder Sales betreiben oder einen Techniker, der auch gleichzeitig die Geschäftsleitung übernimmt. Das stellt grundsätzlich kein Problem dar –  wichtig ist nur, dass fehlende Kompetenzen und Schwächen relativ rasch von anderen Personen gedeckt werden.

Das kann grundsätzlich auch ein erster Angestellter sein. Allerdings muss man dann aufpassen, dass bei einer möglichen Kündigung, keine zu große Wissenslücke vorhanden ist und das Unternehmen handlungsunfähig ist.

In der Literatur findet man zudem einen weiteren Ansatz zu den Fähigkeiten des Gründungsteams. So wird vorgeschlagen, dass ein Gründungsteam im besten Fall aus einem Visionär, einem Hacker und einem Hustler besteht. In einigen Quellen wird der Visionär allerdings auch durch den Hipster ausgetauscht und es gibt unterschiedliche Definitionen, aber im Groben lassen sich diese Gründertypen wie folgt zusammenfassen:

Der Visionär

Der Visionär ist der Stratege des Teams, denkt langfristig, setzt die Vision und ist dafür verantwortlich, den Traum der Idee zu verkaufen – egal ob an Mitgründer, Bewerber, Investoren und Verkaufspartner. Er überzeugt andere vom Unternehmen, ist oft der Geschäftsführer, legt wenig wert aufs Detail und will vor allem expandieren und skalieren. Der Visionär sieht immer Chancen und positive Entwicklungen und lässt sich durch nichts von seinem Traum abbringen.

Der Hacker

Der Hacker ist das Genie im Team. Er fokussiert sich aufs Produkt und weiß, wie er die Ideen der anderen umsetzen kann. Er ist Meister seines Faches und Experte in seinem Gebiet. Egal ob Programmierer, Forscher oder Handwerker – ihm sind alle Aufgaben zur Zielerfüllung bekannt und mit ihm und seiner Expertise steht und fällt das Unternehmen.

Der Hustler

Der Hustler packt die Dinge an. Es gibt nichts, was er nicht kann bzw. nichts, was er nicht lernen kann. Er ist dafür verantwortlich, die Vision des Visionärs auf kleinere Schritte runterzubrechen und kümmert sich darum, dass alle im Unternehmen in die richtige Richtung gehen. Er hat ein breitgefächertes Wissen und ist ein richtiger Allrounder. Der Hustler kümmert sich um alle täglichen Aufgaben und alles was sonst noch anfällt.

Der Hipster

Der Hipster hat ein Auge fürs Detail und kann sich gut in die Kunden versetzen. Er ist der kreative Kopf im Team und hat stets neue vielversprechende Ideen, mit denen er Kunden begeistern kann. Oft ist sein Background in Marketing oder im Grafikdesign.

Verfügt ein Gründungsteam über alle diese Typen, legt das eine sehr gute Basis für die Unternehmensgründung.

Gründungstypen - Hacker, Hipster, Hustler, Visionairy
Gründungstypen – Hacker, Hipster, Hustler, Visionairy
(c) https://startupanz.com/two-laws-building-products/

Was sonst noch wichtig ist:

Oft wird die Wahl der Co-Founder mit dem Eingehen einer Ehe verglichen. Man verbringt in den nächsten Jahren extrem viel Zeit miteinander, man muss sich gegenseitig vertrauen und sich auf den/die Partner verlassen können. Zudem ist es besonders wichtig, dass man immer offen miteinander kommuniziert und sich gegenseitig respektiert. Außerdem sollte man auf ein möglichst diverses Gründerteam achten, so können besonders viele Denkweisen und Blickrichtungen in das Unternehmen einfließen.

Wie finde ich Co-Founder für mein Startup bzw. mein Unternehmen?

Diese Frage stellen sich besonders viele Gründer – und das zurecht. Denn es ist gar nicht so einfach, wirklich passende Mitgründer zu finden. Aber es gibt mehrere Möglichkeiten, wie man Co-Founder findet.

Freunde & Familie

Freunde & Familie sind oft der erste Anhaltspunkt bei der Suche nach Co-Foundern. Man hat großes Vertrauen & Respekt zueinander und weiß, dass man gut miteinander auskommt. Man kennt die gegenseitigen Schwächen und Stärken – also eigentlich ideale Voraussetzungen, um Mitgründer zu finden. Und tatsächlich, sind viele Gründer Geschwister oder gute Freunde. Allerdings muss man hier beruflich & privat klar trennen, denn sonst kommt es schnell zu Konflikten.

Netzwerk / berufliche Kontakte

Das persönliche Netzwerk bzw. Kontakte, die man im Laufe des bisherigen Beruflebens kennengelernt hat, sind ideal um Co-Founder zu finden. Man kennt die Arbeitsweise und Expertisen des Gegenübers, man versteht sich gut, aber die persönliche Beziehung ist nicht zu tief.

LinkedIn

Direkt in diesem Atemzug ist auch LinkedIn zu nennen. In den letzten Jahren hat sich LinkedIn zum relevantesten beruflichen Netzwerk entwickelt. Über LinkedIn ist es wahnsinnig einfach, nach Personen mit gewissen Expertisen zu suchen und man kann diese schnell anschreiben. Wenn man auf der Suche nach einem Experten in einem Fachgebiet als Mitgründer ist, ist LinkedIn der ideale Ort dafür. Aber Achtung: man sollte es nicht übertreiben und keine Massenanfragen schicken, sonst verliert man schnell an Glaubwürdigkeit.

Online-Netzwerke

In den letzten Jahren haben sich zahlreiche Online-Netzwerke zum Matchen von Gründern etabliert. Auf diesen Plattformen tummeln sich sowohl Gründer mit einer Idee, als auch ambitionierte Talente.  Einen meiner Mitgründer von Flaterio habe ich zum Beispiel über Founderio gefunden.

Weitere Netzwerke:

https://angel.co/
https://www.startus.cc/
https://www.facebook.com/meet.your.cofounder
https://www.gruenderszene.de/jobboerse/stellenangebote/suche-co-founder

Job-Inserat

Eine interessante Möglichkeit und in letzter Zeit immer beliebter ist das Schalten eines Job-Inserates. Man kann klar kommunizieren, wonach man sucht und erhält im besten Fall viele Bewerbungen von unterschiedlichen Personen mit verschiedenen Erfahrungslevels. Auf der Job-Plattform des österreichischen Startup Magazins derBrutkasten ist das Inserieren von Jobs beispielsweise sogar kostenlos für Startups. So konnten wir unseren 3. Co-Founder bei Flaterio finden.

Weitere Job-Plattformen:

https://www.karriere.at/
https://at.indeed.com/
https://www.stepstone.at/

Fazit

Man muss für sich selbst entscheiden, ob man lieber allein oder im Team gründet -beides hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Es gibt zudem viele Dinge, die man bei der Suche nach Co-Foundern beachten sollte und einige Konstellationen von Gründertypen gelten als besonders vielversprechend. Es ist zwar schwierig, wirklich gute Co-Founder zu finden, aber dennoch gibt es einige Möglichkeiten, um die richtigen Mitgründer zu finden.

Im nächsten Artikel in der „Anleitung zum Gründen“ erfahrt ihr wie man eine Geschäftsidee validiert.

weiter zu Schritt 3 – Eine Geschäftsidee validieren

Stefan Zangerle
Passionierter Serial-Entrepreneur. CEO & Co-Founder von Flaterio. Managing Director & Founder von zanmedia und zangerle development.

Dir gefällt vielleicht auch...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.